Hier versuche ich, das Wesentliche der Philosophie verständlich wiederzugeben -
 auf eine Art und Weise, die hoffentlich so manchem Leser ein Lächeln auf das
Gesicht zaubern wird.
Die yogische Philosophie ist großartig (und) einfach, tiefgreifend.
Sie ist ein Lebensstil.
Den Einstieg zu dieser Lebensart zu finden ist oftmals nicht gerade einfach
aufgrund der Ausdrücke auf Sanskrit und der verwirrenden Geschichte.


Der Einfachheit halber habe ich die Kernaussage in 6 'wundersamen'
Stichpunkten zusammengefasst:


1. Jeder Mensch ist unendlich wundersam – erstaunlich, unermessbar. Dies
ist wohl versteckt unter den Ablenkungen des Alltags.
2. Die eigene wundersame Natur ist die gleiche wie die des allumfassenden
Universums.
3. Um das wundersame Selbst zu erfahren muss man den gegenwärtigen
Moment leben. Jeder bewusst gelebte Moment ist unendlich.
4. Die wundersame Dreifaltigkeit: Körper, Geist und Seele sind
unzertrennbar.
5. Das Erfahren des wundersamen Selbst führt zu einem Überfluss an
Freude und Güte.
6. Den Weg, den Yoga beschreibt, führt zu einer wundersamen, verstärkten
Wahrnehmung.


Im weiteren Verlauf des Artikels werde ich ins Detail der oben aufgeführten
Punkte gehen.


1. Was ist wundersamer, das Universum oder ein Mensch?


Keine Angst, diese Frage ist nicht beantwortbar. Aber sie stellt ein gutes
Beispiel dar, da es im Yoga nicht nur darum geht Fragen zu beantworten,
sondern auch darum, welche zu stellen und dann über sie nachzudenken.
Zu der oben gestellten Frage: Alles, was um uns herum ist, haben wir auch
schon in uns, wir müssen es nur entdecken.
Wenn der Mensch schon unendlich wundersam ist, kann das noch von dem
Universum übertroffen werden, zu dem unter anderem so viele Menschen
gehören? Die Antwort hierzu ist nicht leicht, denn da beides unendlich ist,
können wir nicht reinen Gewissens behaupten: „Das eine ist mehr unendlich als
das andere!“
Wenn Du klein genug wärest um auf einem Nukleus in einem Apfel zu stehen,
würde Dir das Nukleus wie die Erde und der Apfel wie das Universum
vorkommen.
Die wörtliche Bedeutung des Wortes Universum ist: ein Vers.


2. Was ist der wundersame Unterschied zwischen Perfektion und Imperfektion?


Dualitäten sind Gegensätze, wie z.B.: das Wasser ist warm & das Wasser ist kalt.
Eigentlich brauchen wir dies in unserer Sprache gar nicht, da es schon
ausreichen würde zu sagen: das Wasser ist kalt & das Wasser ist weniger kalt.
Auf dem Weg des Yoga bleiben die Gegensätze zurück. Das ist wie bei einer
Balkenwaage, mal ist die eine Schale unten, mal die andere. Yoga kreiert die
Balance zwischen den beiden Extremen.
Was ist denn Perfektion? Das Wort perfekt heißt soviel wie vollkommen. Aber ist
das nicht alles? Alles ist schön, es liegt nur an jedem Einzelnen, die Schönheit
der Dinge anzurechnen.
Wie wundersam ist es, dass, wenn man eine Person aufrichtig liebt, die
Imperfektionen zu Perfektionen werden?


3. Was ist so wundersam an der Existenz der Zeit?


Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit etwas existiert? Dies muss
Jeder für sich selbst beantworten. Reicht ein Gedanke aus? Muss es physisch
sein? Die Zeit ist ein Konzept, das die Menschheit sich weitgehendst
angeeignet hat, um sich besser orientieren zu können und Sicherheit zu finden.
Dies ist eine der vielen Konditionierungen, die uns schon als kleines Kind in der
Erziehung auferlegt wurden. Diese Konditionierungen sind wie Muster oder
Siebe, durch die Informationen gefiltert werden. Wir fällen Urteile aufgrund
dieser Muster, nicht aufgrund dessen, was wir wirklich sind. Unsere
Persönlichkeit baut sich auf diesen Konditionen auf.
Das wahre Ich manifestiert sich in unseren spontanen Entscheidungen.
Im Yoga versucht man den Weg zurückzufinden zu dem Zustand, den man
schon als Baby hatte.
Ein wundersamer Moment an sich birgt nichts in sich, es kommt ganz darauf
an, wie Du auf diesen Moment reagierst. Eine Situation an sich ist nie
stressvoll, nur die jeweils individuelle Reaktion darauf.
Wenn man positiver denken will und sich von Zeit zu Zeit daran erinnert,
dann denkt man nur, dass man positiver denken will, aber man tut es
nicht.


4. In wie viele Richtungen kannst Du gleichzeitig laufen?


Stelle Dir vor Du sitzt in einer Kutsche mit 5 Pferden im Gespann. Jedes dieser
Pferde ist einer Deiner Sinne und will in eine andere Richtung rennen. So wirst
Du nie vom Fleck kommen.
Das Ziel im Yoga ist es, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und alle Pferde
in eine Richtung laufen zu lassen. Die Kutsche symbolisiert hierbei unseren
Verstand und Geist.
Wenn die Pferde alle in die gleiche Richtung laufen, dann fängt das eigentliche
Erwachen an. Blütenblatt für Blütenblatt entfaltest Du die Lotusblume, nur, um
zu entdecken, dass am Ziel der Reise nichts ist.
Du bist der Tropfen und vereinigst Dich dann mit dem Ozean, wo Du zu allem
und nichts zugleich wirst.

 

5. Welches ist Dein wundersamer Weg?


Yoga ist wie ein wundersamer Berg, am Anfang stehen wir alle unten und
versuchen, hinauf zu kommen. Jedem liegen andere Hindernisse im Weg,
manche legen wir uns sogar selbst in den Weg.
Am Anfang können uns noch Freunde auf dem Weg helfen, aber genau diese
Hilfe wird später auch zum Hindernis, denn es ist ein individueller Weg.
Du kannst allerdings aus den Sachen, die Dir im Weg liegen, die schönsten
Werke vollbringen, es ist nur eine Frage der Ansicht.
So hat jeder seinen eigenen wundersamen Weg, dieser ist für jeden am
wundervollsten, wenn man ihn mit voller Aufmerksamkeit beschreitet und sich
seinen Ängsten stellt. Diesen wird nichts anderes übrig bleiben, als von selbst zu
verschwinden.
Wenn Du schnell oben ankommen willst, dann musst Du langsam laufen, wenn
Du klar sehen willst, musst Du Deine Augen schließen und wenn Du etwas
behalten willst, dann musst Du es loslassen.


6. Was ist Dein wundersamer Lebensstil?


Es kommt nicht darauf an, was Du tust oder warum, sondern wie Du durch den
Tag schreitest.
Jeder erzählt Geschichten unterschiedlich, eine wundersame Geschichte,
dekoriert in den Worten, die dem Erzähler über die Lippen kommen oder aus
seiner Feder fließen.
Diese Feder ist der Lehrer und ein leeres Blatt ist der Schüler. Wenn es keine
Harmonie zwischen dem Lehrer und dem Schüler gibt, wird nie ein schönes
Gedicht entstehen, höchstens ein kratzendes Geräusch, erschaffen mit Gewalt.
Es ist essentiell, zu verstehen, dass Schüler und Lehrer Papier und Feder
zugleich sind.
Es ist unwichtig, in welchem wundersamen Fach man einen Lehrer hat, solange
es der richtige ist; die Feder soll nicht kratzen. Die Leidenschaft zu dem Fach
wird sich dann wie von selbst entwickeln.


Hari Om Tat Sat