Fälschlicherweise versteht man unter dem Begriff Mudra meist nur eine Fingerübung. Jedoch im traditionellen Sinne bezeichnet das Wort nicht nur eine Gestik der Finger, sondern vielmehr des gesamten Körpers. Diese Gestik kann sogar in manchen Fällen durch eine Atemübung oder/und einer Visualisierung verstärkt werden.

Jedes Mudra regt einen bestimmten Bereich im Gehirn und somit auch im Körper an. Des Weiteren regt regelmäßiges Üben die Synchronisierung der linken und der rechten Gehirnhälfte an.

Um den informativen Rahmen des Textes nicht zu sprengen werde ich im Weiteren hauptsächlich auf die Mudras der Hände eingehen.

 

1.    Haltung

Mudras können im Sitzen, Liegen, Stehen und sogar beim Gehen praktiziert werden. Wichtig hierbei ist, dass der Körper symmetrisch, zentriert und entspannt ist.

Der Druck der Finger beim Ausüben eines Fingermudras stimuliert auch Meridiane, Reflexzonen und Akupressur Punkte welche einen Effekt auf den gesamten Körper haben.

Darüber hinaus wirkt sich die zunehmende Beweglichkeit der Finger positiv auf den Nacken aus.

Des Weiteren wird durch das Spreizen der Finger ein Reflex ausgelöst welcher die Brustwirbelsäule aufrichtet und somit das Atemvolumen vergrößert werden kann.

 

2.      Atmung

Um die Wirkung einer Mudra in die richtige Bahn zu lenken empfiehlt es sich mit der Atmung zu Arbeiten.

Grundlage hierfür ist ein langsames, tiefes sowie fließendes Atmen. Idealerweise kann die Luft nach dem Einatmen kurz angehalten werden (ohne Bandhas!).

Angepasst an den jeweiligen Bedarf kann eine der folgenden Varianten gewählt werden:

·         Zu den Fingern spüren, insbesondere zu den Berührungspunkten. Dies bewirkt ein Sichzentrieren, bringt inneres Gleichgewicht und baut Lebensenergie auf.

·         Beim Einatmen den Druck der Fingerbeeren aufeinander erhöhen und anschließend beim Ausatmen wieder in die lockere, neutrale Stellung zurückkehren. Diese Methode wirkt stärkend auf den Willen und erfrischt Körper und Geist.

·         Beim Einatmen die sanfte Berührung der Fingerkuppen entspannt halten, beim Ausatmen den Druck leicht erhöhen. Dies hat eine beruhigende und entspannende Wirkung auf das ganze Sein.

 

3.     Visualisierung

Zur Unterstützung der Wirkung einer Mudra kann eine Visualisierung hilfreich sein. Hierfür kann man mit Farben arbeiten oder das betroffene Körperteil oder eine hiermit assoziierte Gegebenheit vorstellen welche harmonisierender Natur ist.

Dies verursacht unter anderem eine erhöhte Blutzufuhr oder einen Ausgleich, je nach Bedarf, für den entsprechenden Bereich, was die Normalisierung der körpereigenen Prozesse fördert.

Hier ist eine kurze Auflistung der Wirkungen von ein paar Farben beschrieben welche als Einstieg für das Üben dienen können:

·         Rot:             regt Kreislauf an, macht wach, wärmt, aggressiv

·         Orange:        hebt Stimmung, bringt Leichtigkeit, regt Sexualität an, kann oberflächlich machen

·         Gelb:            regt Verdauung an, macht geistig frisch, gute Ausstrahlung, aufdringlich

·         Grün:            beruhigt, regeneriert, Lust neues zu beginnen

·         Blau:             beruhigt, tiefe Ruhe, Geborgenheit, Schutz, stille Sehnsucht nach Unfassbarem

·         Braun:          Stabilität, Erdverbundenheit, zu viel kann zur Stagnation führen

·         Weiß:           beinhaltet das gesamte Spektrum, Tod und Geburt

·         Schwarz:      Schutz, Kräfte sammeln, Rückzug, Leere, zu viel kann zu Pessimismus führen, schwächt den Organismus

 

4.     Sankalpa

Ein Sankalpa ist ein positiver Vorsatz welcher in Gedanken oder im Herzen geformt wird. Es empfiehlt sich solange man an einer Sache arbeitet sollte man stets das gleiche Sankalpa nutzen und dieses erst ändern wenn der entsprechende Prozess abgeschlossen ist.

Es empfiehlt sich zu Anfang und wieder am Ende von jeder Übungseinheit das eigene Sankalpa zu wiederhohlen.

 

5.       Tipps zur eigenen Übung

·         Die besonders geeigneten Zeitpunkte zum Üben sind morgens im Bett nach dem Aufwachen und abends im Bett vor dem Einschlafen.

·         Je weniger Mudras man übt, desto intensiver werden die jeweiligen Effekte wahrgenommen. Empfohlen sind 1 – 3 unterschiedliche.